Zen und Alltag

Zen ist oft als Religion des Alltags bezeichnet worden.

Viele Menschen sehen den Alltag als Ablauf von einengenden, langweiligen Verrichtungen und denken, dass sich das wahre Leben anderswo abspielt. Der spirituelle Weg wird manchmal als dieses Jenseits des Alltäglichen ersehnt. Aus der Erfahrung von Zazen, der Wurzel unseres Lebens heraus begreifen wir jedoch, dass sich die letztendliche Wirklichkeit in den einfachsten Verrichtungen des Lebens als Präsenz offenbart. So wird das Leben mit Körper und Geist in völliger Einheit gelebt. Es ermahnt uns an die Wichtigkeit des Hier und Jetzt.

Zen-et-Vie-quotidienne

Das Erwachen zur Unbeständigkeit lädt uns dazu ein, nicht am Vergänglichen zu haften – aber was ist nicht vergänglich ? Wie verschwendet man nicht die kostbare Zeit dieses menschlichen Lebens und geht nicht am Wesentlichen vorüber ? Das Erwachen zu unserer Einheit mit den Anderen lädt uns zum Wohlwollen und zum Mitgefühl ein. Und das Erwachen zur Einheit mit allen Daseinsformen lädt uns ein zur Übereinstimmung mit der Natur und drängt uns, sie zu lieben und zu schützen.

Diese Erfahrung des Erwachens ist das Herz des Zenweges und verwandelt den Alltag in eine Ausdrucksform für das was dieses Erwachen beinhaltet : jede Aktivität ganz und für sie selbst leben, sie nicht beschränken auf ein Mittel, um etwas anderes zu erlangen. Diese Art zu leben versöhnt uns mit der Unzulänglichkeit, entdramatisiert die Ursachen des Leidens und hilft uns, die Harmonie mit der wahren Natur unseres Daseins wiederzufinden.

Yuno Roland Rech.

 

Deutsch