Glossar

Bodhisattva : litt. : Das erwachende Wesen. Durch seine Praxis, sein Erwachen hilft der Bodhisattva auf natürliche Weise allen Daseinsformen. Jukai, die Bodhisattva-Ordination, die den Laien verliehen wird, markiert den Eintritt in den Buddhaweg.

Dharani : Mantra, « magische Formel », die einen tiefen Sinn oder eine beschützende Geisteshaltung beinhaltet. Es handelt sich nicht um einen übersetzten Text. Es sind energietragendeSilben, die eine bestimmte Kraft besitzen wenn sie rezitiert werden. Die Kraft des Dharani wirkt besonders dann, wenn es mit ganzem Herzen und reinem Glauben gesungen wird, mit konzentriertem Geist und offenem Herzen.

Dharma : das Gesetz, das Leitprinzip des Universums, die Wirklichkeit als Ganzes. Das Universum ist eins, alle Daseinsformen haben die selbe Natur. Wenn alle Daseinsformen dem universellen Gesetz folgen ist alles ausgewogen, in Harmonie, ist alles Buddha. Shakyamuni Buddha und die Zenmeister haben nur dies gelehrt. Deshalb bedeutet Dharma auch : die Lehre.

Do : der Weg. Es ist das Buddhadharma. Der Weg ist ohne Anfang und ohne Ende. Auf dem Weg voranschreiten ist an sich die Verwirklichung.

Dojo : Das Dojo ist kein gewöhnlicher Ort, es ist der Raum, in dem Zazen praktiziert wird. Wenn man das Dojo betritt, lässt man ganz natürlich alle persönlichen Sorgen zurück und konzentriert sich in jedem Augenblick auf die Art zu gehen, zu sitzen, usw. Der Geist ist offen, präsent für die Wirklichkeit des Augenblicks.

Éveil : In Zazen sitzend ist der Buddha zur tiefen Wirklichkeit aller Dinge (Buddha bedeutet : der Erwachte). Seine ganze Lehre geht aus der Klarsicht seines Erwachens hervor. Man praktiziert Zazen nicht um das Erwachen zu erlangen, Zazen selbst ist Erwachen. Zazen erschliesst uns unsere wahre Natur, die Buddhanatur. Das Erwachen ist der Normalzustand, der natürliche Zustand des Geistes.

Fuse : Das uneigennützige Geben, das nichts zurückverlangt und nicht egoistisch motiviert ist. Fuse ist eine der Sechs Paramita, die sechs Vollkommenheiten der Weisheit. Das gesamte Universum lebt auf Fuse-Basis : geben-empfangen. Man kann materielle Dinge schenken, aber auch seine Zeit, seine Energie, seine Konzentration, usw. Auch die Verbreitung der Lehre ist eine Gabe.

Gassho : Geste der Achtung, Dankbarkeit oder Verehrung. Die Hände sind auf Höhe des Gesichts, die Handflächen aneinndergelegt, die Vorderarme waagrecht. Diese Geste selbst schafft Einheit und Harmonie.

Godo : In der Tradition der Sôtôzen-Tempel ist der Godo ein Lehrer und Erzieher. Im Dojo sitzt er im hinteren Teil des Dojos, dem Meister gegenüber. Nach Meister Deshimarus Tod wurden die Lehrer, die noch keine DharmaWeitergabe erhalten hatten als Godo bezeichnet. Heute sind die meisten unter ihnen Kyoshi, lehrende Meister.

Hishiryo : Der Bewusstseinszustand während Zazen, der nicht mit dem Mentalen zusammenhängt. Während Zazen erscheinen und verschwinden die Gedanken auf natürliche Weise. Lässt man diesen Prozess frei geschehen, ohne den Gedanken Raum zu gewähren und ohne sie zu meiden, so beruhigt sich das Mentale von selbst, und es öffnet sich das Hishiryo-Bewusstsein, jenseits von Denken und Nicht-Denken, das absolute Bewusstsein. Es ist das Denken des Körpergeistes, in vollkommenem Einklang mit dem gesamten Universum. Hishiryo ist das Unaussprechliche, das nicht erklärt werden kann, das man jedoch in Zazen auf natürliche und unbewusste Weise erfahren kann.

Kesa : Das Kesa ist das Gewand Buddhas, das Gewand des Erwachens, das von Meister zu Schüler weitergegeben wird und das die Mönche tragen. Ursprünglich besteht es aus abgenutzten Stoffresten, die gewaschen, gefärbt und sorgsam nach traditionneller Art zusammengenäht wurden.

Kin-hin : Die Konzentration von Zazen im Gehen. Im Dojo praktiert man Kin hin zwischen zwei Sitzperioden. Der Geist ist auf dieses langsame, auf die Atmung abgestimmte Gehen konzentriert.

Kusen : Mündlich Unterweisung während Zazen.

Kyoshi : Lehrer der Sôtô-Schule.

Mondo : Unterweisung im Dojo in Form von Fragestellung des Schülers und Antwort des Meisters.

Mushotoku : Ohne Anstrebung des persönlichen Gewinns, sei er materiell oder spirituell. Zazen verwirklicht sich wenn der Geist mushotoku ist, ohne Ziel, ohne Absicht, ohne Berechnung. Es gibt nichts anzustreben, nichts zu erlangen. Das gesamte Universum lebt auf der Basis von Mushotoku.

Roshi : alter Meister.

Samu : die Arbeit für die Gemeinschaft, mushotoku. Samu ist ein Aspekt der Praxis ; es ist der Zazengeist in allen Verrichtungen des täglichen Lebens : die anderen bedienen, die Mahlzeiten zubereiten, putzen, den Garten pflegen, usw.

Sangha : die Gemeinschaft der Mönche und Nonnen. Im Westen schliesst diese Gemeinschaft auch die die ordinierten Laien und alle Praktizierenden ein. Der selbe Begriff bezeichnet auch die Gruppe von Praktizerenden eines Tempels, bei einem bestimmten Meister oder, im weiteren Sinne, alle Praktizierenden des Sôtôzen (oder des Buddhismus). Bei der Bodhisattva-Ordination nimmt man Zuflucht zu den Drei Schätzen : Buddha, Dharma, Sangha.

Sesshin : Retreat bei einer Praxissession, die 2 bis 9 Tage dauern kann. Alle unsere gewohnten Sorgen vergessend tauchen wir tief in die Praxis ein. Die Betonung liegt auf Zazen und den täglichen Handlungen : Zazen, Zeremonien, Samu, Studium. Auf diese Weise berührt man seinen wahrhaftigen ursprünglichen Geist, die Buddhanatur, die uns und allen Daseinsformen des Universums gemeinsam ist.

Shikantaza : nur sitzen. Sich ganz und gar Zazen widmen, Körper und Geist in Einheit, alle Dinge zurücklassend, die Vorstellung des Ichs zurücklassend, nur sitzen, nichts anderes. Eine Gegenwart im Universum, eine « Flamme auf einem Zafu ».

Skanda : die fünf Skandha, die Aggregate, die das Leben bilden, die Funktion des Körpers und des Geistes eines Menschen. Shiki : die Matierie, die Formen ; jû : die Wahrnehmungen durch die Sinnesorgane ; sô : die Empfindungen ; gyô : die Handlungen und shiki : das persönliche Bewusstsein.

Sôtô-Zen : ursprünglich eine Schule des chinesischen Chan (Zen), dessen Benennung aus den Namen der Meister Tozan Ryokai und Sozan Honjaku (9. Jahrhundert) entstanden ist. Im 13. Jahrhundert kommt Meister Dôgen aus China zurück, übermittelt die Sôtôlinie in Japan und legt die Grundsteine der Sôtôzen-Tradition. Der Sôtôzen legt die Betonung auf Shikantaza, das Sitzen vor einer Wand, und auf das stille Erwachen ohne Zuhilfenahme der Koans während der Meditation (siehe « Die Prinzipien des Sôtôzen »).

Sutra : Die Sutren sind Belehrungen des Buddha oder Belehrungen, die dem Buddha zugeschrieben werden und die später niedergeschrieben wurden. Die in den Zeremonien rezitierten Texte bestehen teilweise aus Auszügen der Sutren.

Teisho : mündliche Unterweisung in Form eines Vortrags durch den Meister.

Tenzo : Verantwortlicher der Küche in einem Tempel oder bei einem Sesshin. Der Tenzo ist nicht bloss ein Koch, es ist ein erfahrener Mönch, ein Erzieher. In der Tradition hat er eine wichtige Stellung im Tempel.

Zafu : rundes, mit pflanzlichen Fasern (Kapok) gestopftes Kissen, das beim Zazen eine Neigung des Beckens ermöglicht. Dadurch kann man die Knie auf den Boden drücken und die Wirbelsäule nach oben strecken.

Zazen : Za, sitzen ; Zen, Sammlung. Zazen selbst ist Erwachen. Es ist die unmittelbare Erfahrung der letztgültigen Wirklichkeit. Durch die Praxis der Konzentration (Samadhi) wird das Mentale still, die Vorstellung eines Ichs verschwindet, Körper und Geist können aufgegeben werden und man findet unbewusst zu seiner wahren Natur zurück, zur Buddhanatur, eins mit allen Daseinsformen, mit dem ganzen Kosmos. Buddha ist in Zazen sitzend zum Erwachen gelangt. Seine gesamte Lehre, der « Buddhismus » überhaupt, entspringt dieser lebendigen Erfahrung.

 

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